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17.01.2012
00:31

Selbst-Bewusstein im Sternenhimmel

Als ich heute Abend nach Hause gekommen bin, durfte ich vom Hof unseres Hauses aus eine wunderbaren Sternenhimmel genießen. Die Luft war klar, kein Mond am Himmel und – hier bei uns an der Weinstrasse – kaum Strassen- und Hausbeleuchtungen. Neben den großen, hellen Sternen und Planenten sind viel kleinere, schwächer leuchtende Himmelskörper zu erkennen und bilden gemeinsam ein unvergleichliches Lichtermeer über uns.

Wer in einer großen Stadt oder gar in einem Ballungsraum wohnt, der wird dieses Erlebnis nicht vor seiner Haustür finden können. Der Dunst vieler Abgase und die Lichter der Stadt verschleiern die Sterne, vor allem die kleinen, weiter entfernten und schwach leuchtenden. Der Eindruck mag immer noch erhebend sein, kann aber nur ein schwaches Abbild jenes Erlebnisses sein, das ich heute genießen durfte.

Und wer in einer Stadtlandschaft wie Los Angeles oder NewYork geboren worden ist und vielleicht nie bewusst auf dem Land nach oben geschaut hat, der weiß vielleicht gar nichts von der Pracht am Himmel.

Mit unserem Selbst-Bewusstsein ist es genauso. Wenn wir all den Dunst, den Nebel und die Lichter von außen durchdringen können, dann finden wir all die Sterne, die in uns leuchten, all die Ressourcen, Fähigkeiten und Talente, die in uns schlummern, von denen wir bisher vielleicht gar nichts ahnen.

Es ist kaum möglich, in Los Angeles alles Lichter auszuschalten (vom Stromausfall mal abgesehen) und die Luftverschmutzung so lange auszusetzen, bis sich die Atmosphäre geklärt hat. Unser eigenes Bewusstsein zu klären, ist viel einfacher als das – wenn auch nicht immer leicht. Doch es lohnt sich, so wie sich der Blick auf den Sternenhimmel heute Abend gelohnt hat.

Und falls Sie nun denken, dass es bei Ihnen nichts zu entdecken gäbe – die Sterne sind überall, über Mannheim, Bad Dürkheim, Los Angeles und New York. Sie sind nur nicht überall gleich sichtbar. Genauso ist es mit unseren Ressourcen. Sie sind immer da, aber wir sehen oder spüren sie nicht immer.

Wenn Sie Ihr Selbst-Bewusstsein klären wollen, einen ungetrübten Blick auf Ihre Ressourcen werfen möchten, dann können Sie damit anfangen, den Dunst und die störenden Lichter weniger zu beachten und sich auf einen Stern, auf einen wohltuenden Aspekt konzentrieren. Welcher das ist, werden Sie entdecken – vielleicht eine Blume oder ein Inneres Bild von einer schönen Landschaft, eine Melodie oder das Gefühl, gestreichelt zu werden. Gönnen Sie sich jeden Tag ein paar Minuten mit dem Fokus auf diesem einen Stern und beobachten Sie, welche anderen Sterne wie von alleine auftauchen.

Über einen Kommentar dazu freue ich mich sehr. Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

Und wenn jemand ein schönes, selbst gemachtes Foto von einem Sternenhimmel hat und es mir zur Verfügung stellen würde, dann könnte ich den Beitrag noch bebildern. Einfach an mich mailen. Danke!

04.09.2011
17:31

Selbsthypnose mitten in der Nacht

Selbsthypnose mitten in der Nacht

Mein Internetdienstleister wollte umziehen. Nicht er selbst, aber seinen Server und mit ihm meine Internetseite. An einem Donnerstag früh war es soweit, ich bekam eine Mail, dass meine Website (die auf der Sie sich gerade befinden) für 24 Stunden nicht erreichbar sei.

Den ganzen Freitag probierte ich immer wieder, der Platzhalter verschwand nicht. Langsam wurde ich zwar etwas nervös, hatte ich doch in der darauf folgenden Woche ein Seminar angekündigt und hoffte noch auf die eine oder andere Anmeldung über das Internet im Laufe des Wochenendes oder Anfang der Woche.

Allerdings sagte ich mir, dass diese Arbeit bestimmt noch vor dem Abend beendet werden würde, etwas anderes wäre gar nicht denkbar.

Diese Episode hat eine Vorgeschichte.

Ein paar Änderungen an dieser Website hatten sich über Wochen hingezogen, da mein Internet-Mann krankheitsbedingt ausgefallen war. Nun stand natürlich auch die Befürchtung im Raum, dass auch der Umzug Tage dauern könnte. Inzwischen war es Freitag Nachmittag und die Arbeitswoche näherte sich dem Ende ...

Am Abend war ich mit einem Seminar beschäftigt und kam recht spät heim, machte sofort den Rechner an und erschrak – der Platzhalter war immer noch zu sehen. Meine aufkeimenden Befürchtungen sollten wahr werden! Ärger und Wut stiegen in mir auf und das gesamte Arsenal negativer Gedanken und Gefühle kam herauf: Die Seite würde tagelang nicht mehr erreichbar sein, Interessenten würde die Motivation verlieren, finanzielle Verluste durch fehlende Teilnehmer entstünden, meine Rechte als Kunde wären nicht geachtet worden und so weiter ...

Und das Schlimmste in diesem Moment war, ...

.... dass ich nichts, aber auch gar nichts tun konnte. Es war nach Mitternacht, weder ein Anruf noch sonst irgend einen Versuch, etwas zu unternehmen kamen in Frage. Ich war dazu verdammt, diesen Ärger mindestens bis zum nächsten Morgen zu ertragen. Eigentlich war jetzt die Zeit um zu schlafen, aber in der Verfassung war an Schlaf nicht zu denken! Ich würde mich stundenlang damit beschäftigen, was ich am nächsten Morgen tun könnte, immer durchsetzt von Gedanken daran, was alles schief gehen würde durch die Situation.

All dies geschah in ein paar Sekunden. Es geschah mit mir, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Plötzlich war ich in dieser negativen Stimmung, ohne bewusst etwas dafür oder dagegen getan zu haben. Aber das, was da in mir abgelaufen war, konnte ich mir jetzt bewusst machen. Ich konnte es ansehen als das, was es war.

Da gab es eine zweifellos unglückliche Situation, ...

... die durchaus Folgen haben konnte, schließlich ist die Website ein wichtiges Medium für meine Praxis. Auch hatte ich das Recht durchaus auf meiner Seite, es gab einen Auftrag und eine Zusagen für die Erledigung, die überzogen worden war. Aber es gab auch eine Zukunftsvorstellung, die letztlich reine Phantasie war: Ich konnte keine Ahnung haben, ob die Seite tatsächlich noch länger offline sein würde und ob ich wirklich Verluste erleiden würde, würde ich nie mit Sicherheit erfahren. Auch konnte ich nicht wissen, warum es dazu gekommen war, vielleicht gab es ja eine Erklärung, die auch für mich Sinn machte. Ich musste also „nur“ diese Phantasie loslassen, und einer ruhigen Nacht stünde nichts im Wege.

Da sagt sich so leicht, ...

... denken Sie jetzt vielleicht, aber wie schaffe ich das? Die negativen Vorstellungen, die sich wie automatisch in mir entwickelt haben, sind nicht mehr und nicht weniger wirklich als andere Vorstellungen. Ich kann sie also durch positive Bilder und Gedanken ersetzen.

In diesem Fall waren es zwei Ideen.

Zum einen stellte ich mir den Menschen der Internetfirma vor (ich hatte ein Bild von seinem Gesicht im Kopf), der gesundheitliche Probleme hatte und konzentrierte mich darauf, mitfühlend zu sein und ihm gute Wünsche für seine Gesundheit zu schicken. Dabei kommt es nicht so sehr darauf an, dass ich tatsächlich glaube, dass solche mentalen Wünsche bei der anderen Person ankommen, sondern einzig darauf, dass ich meine Aufmerksamkeit auf etwas Positives ausrichten kann. Wenn ich glaube, dass die Energie hinter dieser Vorstellung auch eine Wirkung außerhalb von mir haben könnte, kann dies zusätzliche Motivation bringen, notwendig ist es aber nicht.

Mir half auch noch ein Perspektivenwechsel, ...

... nämlich der Gedanke daran, dass ich selbst die Gesundheit möglichst immer über das Geschäft stellen würde und daher der vermutete Grund für die Verzögerung meinen eigenen Wertvorstellung entsprechen würde.

Die zweite Idee war es, daran zu denken, dass der Computerfachmann sich am Samstag früh als erstes mit meinem Projekt beschäftigen würde und die Webseite wieder online sein würde, bevor ich selbst meinen PC anschalten würde. Auch hier spielt es nicht die entscheidende Rolle, ob ich an eine Fernwirkung solcher Gedanken glaube oder nicht.

Der Gedanke, jetzt „eh nichts tun zu können“ hätte mir dagegen in dieser Situation wenig geholfen, da genau das das war, was mich so wütend machte.

Meine negativen Gedanken ...

... waren zwar immer noch da, aber sie hatten quasi „Konkurrenz“ bekommen. Für mich war an dieser Stelle wichtig, mir noch einmal bewusst zu machen, dass die Situation tatsächlich unangenehm war. Damit konnte ich meinen Ärger auch als angemessen anerkennen, um mich dann von ihm verabschieden zu können. Ich musste nicht gegen ihn kämpfen, sondern konnte ihn entlassen, da er seine Aufgabe erfüllt hatte.

Ein paar Minuten habe ich mich auf diese neuen Sichtweisen fokussiert und merkte sofort, wie ich innerlich ruhiger wurde. Als zusätzliche Sicherheit suchte ich mir noch etwas aus, auf das ich mich im Bett konzentrieren würde, falls sich mein Geist noch mal mit Ärger melden sollte. Da ich an diesem Tag eine neue Matratze bekommen hatte, war das nicht schwer – ich hatte sowieso vor, ganz bewusst das neue Liegegefühl zu genießen. Als ich ins Schlafzimmer ging, waren die negativen Emotionen verflogen und ich habe eine sehr erholsame Nacht verbracht.

Und was hat das mit Selbsthypnose zu tun?

Wo war die Trance? Die geschilderte Episode enthält tatsächlich alle wichtigen Merkmale der Selbsthypnose: die fokussierte Aufmerksamkeit, die Arbeit mit Imaginationen und die Wirkung des Bewussten auf das Unbewusste bzw. den unwillkürlichen Bereich.

Ich war in zwei verschiedenen Trancen.

Zuerst in der Problemtrance: In einem Aufmerksamkeitsfokus gab es nur die negativen Aspekte der Situation, ich hatte eine Phantasie über die möglichen negativen Folgen und mein Körper reagiert unwillkürlich mit Erregung und Unruhe, erhöhtem Pulsschlag und Wachheit sowie den geschilderten Emotionen. Diese Problemtrance habe ich durchbrochen, indem ich bewusst meine Aufmerksamkeit auf hilfreichere Aspekte gelenkt habe und so die Lösungstrance eingeläutet habe. Schließlich war meine Aufmerksamkeit auf Mitgefühl und Zuversicht gelenkt, meine Phantasie betraf eine entspannte Lösung am kommenden Tag und mein Körper folgte diesen Gedanken mit Ruhe, Entspannung und schließlich einem guten Schlaf.

Wie fast alles im Leben ist auch dies eine Fertigkeit, die man lernen und üben kann. Je öfters Sie sich durch eine solche Kurz-Selbst-Hypnose helfen, desto leichter fällt es beim nächsten Mal und desto passender werden Ihre individuellen Vorstellungen, mit denen Sie am Besten arbeiten könne

Am folgenden Morgen klärte sich die technische Frage übrigens recht leicht auf. Es wäre schade gewesen, wenn ich dafür meine Nachtruhe geopfert hätte. Aber das wusste ich dank der Selbsthypnose schon in der Nacht.

26.06.2011
16:58

Illusion oder Realität?

Illusion oder Realität?

Heute geht das Festival des deutschen Films in der kleinen Zeltstadt auf der Ludwigshafener Parkinsel zu Ende. Wenn Sie schon einmal dort waren, kennen Sie diesen wunderschönen Ort, falls nicht, gibt es im nächsten Jahr auch wieder ein Festival. Aber ich möchte gar nicht so viel dafür werben, es geht mir um die Wirkungen, die Filme haben können, und darum, wie wir das für unser Leben nutzen können.

Wenn wir uns einen Film ansehen, dann wissen wir, dass eine erfundene Geschichte erzählt wird. Wir wissen auch, dass wir flimmernde Lichtpunkte anschauen und die Szenen nicht „wirklich“ vor unseren Augen geschehen. Wir wissen genauso, dass manches von dem, dem wir gebannt folgen, noch nicht einmal „real“ mit Menschen oder Gegenständen gespielt worden ist, sondern am Computer entstanden ist, also letztlich nur aus Nullen und Einsen besteht.

Und trotz all dieses Wissens schauen wir uns Filme an, leiden mit den Figuren mit, änsgtigen uns vor den Bedrohungen, genießen das Gefühl des Verliebseins wieder einmal mit und freuen uns über ein Happy End. Ich selbst empfinde einen Film dann als gut, wenn er mich etwas erleben lässt, wenn er bei mir Gefühle auslöst, wenn ich mich mit einer oder mehreren Figuren identifizieren kann, wenn ich empfinde, als ob ich selbst in der Situation wäre, die erzählt wird. Und auch, wenn er zum Nachdenken anregt, oft auch noch lange über das Anschauen hinaus. Ein guter Film verändert dass, was ich erlebe. Er gibt mir die Möglichkeit, Situationen zu durchleben, die in meinem "richtigen" Leben nicht vorkommen.

Wie geht es Ihnen? Sehen Sie sich Filme überhaupt an? Und falls ja, was erwarten Sie von einem guten Film? Schreiben Sie doch einen Kommentar dazu!

Wenn wir etwas in unserem Leben verändern möchten – sei es unser Verhalten oder unsere Gefühle in bestimmten Situationen, unsere Beziehungen zu anderen Menschen, unseren Körper oder was auch immer es ist – dann suchen wir ebenfalls nach einem neuen Erleben. Bei vielen Gelegenheiten gelingt uns das ganz einfach, wir fassen einen Entschluss und denken, fühlen und tun etwas Neues.

Immer dann, wenn das nicht so einfach geht, kann uns unsere Vorstellungskraft helfen. Genau so, wie ein Film im Kino unser Erleben verändert, kann auch ein „innerer Film“ uns verändern und uns genau da hin führen, wo wie hin wollen. Der „innere Film“ kann uns beispielsweise zeigen, was wir tun, wenn wir unser Ziel schon erreicht haben. Oder den Weg dorthin. Oder er lenkt unsere Aufmerksamkeit auf die Gefühle, die wir gerne haben möchten. Und auch wenn wir diese Imaginationen als „Illusionen“ oder „Einbildungen“ oder „Phantasien“ bezeichnen, sie wirken auf uns genau so wie ein Film, von dem wir das gleiche denken. Wenn wir es geschehen lassen, können unsere Vorstellung wirken, und wirken heisst nichts anderes als Wirklichkeit werden. Sie können so die Regie für Ihren Lebensfilm übennehmen.

Vielleicht haben Sie schon Erfahrungen gemacht mit solchen „inneren Filmen“. Schreiben Sie Ihre Erlebnisse in einem Kommentar, wenn Sie möchten. Im Rahmen unserer Selbsthypnose-Kurse, aber auch in den speziellen Kursen zum Stressabbau und zu Beziehungen lernen Sie verschiedene Techniken kennen, mit denen Sie Ihre „inneren Filme“ hilfreich und zielführend gestalten können. Probieren Sie es aus, denn erst wenn es für Sie in der Praxis funktioniert, ist es auch sinnvoll!

02.05.2011
00:03

Jede Medaille hat zwei Seiten

Jede Medaille hat zwei Seiten – entscheiden Sie, welche für Sie die wichtigere ist!

Alles in unserem menschlichen Dasein hat gleichzeitig mehrere Seiten – mindestens zwei wie die berühmte Medaille. Jedes unserer Ziele wird auch Seiten haben, die uns nicht gefallen, und alles das, was wir nicht haben wollen, hat auch Seiten, die für uns willkommen sind - auch wenn das oft nicht auf den ersten Blick zu sehen ist. So würden die meisten Menschen einen Millionengewinn als uneingeschränkt positives Erlebnis bewerten, weil sie sich nur auf den Aspekt der wirtschaftlichen Freiheit konzentrieren, nicht aber auf die anderen Veränderungen, die ein solches Ereignis mit sich bringen könnte. Eine schwere Krankheit möchte niemand haben, und doch gibt es viele Berichte von Menschen, die durch eine solche hindurchgegangen sind und sie im Nachhinein als ein für ihr Leben positives Erlebnis ansehen können.

Wenn es mir also gelingt, meine Aufmerksamkeit vor allem auf das für mich und meine Ziele günstige und hilfreiche in dem zu richten, was ist, werde ich mehr Kraft, mehr Zuversicht und mehr Klarheit erleben und so mehr dafür tun können, meine Ziele auch tatsächlich zu erreichen. Gleichzeitig bin ich mir der negativen und belastenden Aspekt bewusst und kann die gewonnene Kraft nutzen, mit diesen besser zurecht zu kommen oder sie zu verändern.

Unser Gehirn wird in allem, was es oft tut, besser. Wir kennen das, denn was wir üben, geht uns immer leichter von der Hand. Unser Gehirn verändert sich ständig und baut Netzwerke auf und aus. Dies gilt auch für unser Erleben – je öfters wir uns wohl fühlen, desto leichter werden wir diesen Zustand wieder erreichen.

Der Kernpunkt aller mentaler Strategien die die Steuerung unserer Aufmerksamkeit. Je stärker ich meine Aufmerksamkeit auf angenehme und hilfreiche Aspekte einer Situation, eines Menschen oder meines Lebens richte, desto mehr angenehme und zuversichtliche Gefühle werde ich haben – die Situation, der Mensch, mein Leben erscheint in einem für mich positiven Licht.

Je mehr Zeit und Intensität ich beispielsweise im Mentaltraining mit der Vorstellung eines erfolgreichen Projektabschlusses oder Wettkampfes verbringe, desto mehr Erfahrung bekommt mein ganzer Organismus mit den dazugehörigen Argumentationen, Präsentationen oder Bewegungsabläufen. Je konzentrierter ich im Autogenen Training bei den Übungen bin, desto entspannter werde ich. Ich erlebe das, worauf ich mich konzentriere.

Meine persönlichen Ziele bestimmen, was für mich hilfreich ist und was nicht. Eine unangenehme Erfahrung kann mich darauf hinweisen, dass ich noch etwas lernen kann und so durchaus positiv im Sinne von hilfreich sein.

11.04.2011
01:00

Was erwarten Sie?

Was erwarten Sie?

Ich fuhr vor ein paar Tagen durch und hoffte auf einen Parkplatz, da ich noch eine Kleinigkeit einkaufen wollte und zum nächsten Termin spät dran war. Bestellt – geliefert, vor mir bot sich eine wunderbar gelegene Parklücke an. Ich blinkte und fuhr seitlich ran, knapp an der Lücke vorbei um seitwärts einzuparken. Als ich mich umdreht, schaute ich auf einen silbernen Opel, der schätzungsweise einen halben Meter hinter mir stand, eine ältere Dame am Steuer.

Aha, dachte ich, zu spät reagiert, ist aber kein Problem. Ich fuhr einen Meter nach vorne, so dass die Dame an mir vorbeifahren konnte. Sie fuhr aber auch diesen Meter nach vorne und stand immer noch direkt hinter mir. Für meine Handzeichen, die auf die Parklücke deuteten, erntete ich nur einen verständnislosen Blick. Na gut, sie versteht nicht, was ich meine. Ich stieg aus und sagte zu ihr, dass ich in die Parklücke fahren möchte. Für mich war klar, dass sie spätestens dann begreifen müsste, dass sie an mir vorbeifahren muss. Stattdessen kam als recht aggressive Erwiderung: „Und, soll ich mich jetzt in Luft auflösen?“

 „Nein“, antwortete ich, nun selbst deutlich genervt, „an mir vorbeifahren!“ Sie ließ ihr Seitenfenster wieder hochfahren und starrte geradeaus. Ich begriff, dass die Kommunikation damit beendet war und gab auf – aber mit einer richtigen Wut im Bauch. Ich fuhr wieder ein paar Meter vor bis zu einem LKW, der die Spur halb blockierte und wartete. Vielleicht könnte ich mit etwas Glück noch zurückfahren. Was machte die Dame? Sie ahnen es sicher, sie blieb in gleich bleibendem Abstand hinter mir. Aber irgendwann musste es ihr dann gedämmert sein, dass sie so nicht weiter kommen würde und spätestens an dem LKW vorbei musste. Sie schaffte es schließlich, an mir vorbei zu fahren. In „meine“ Lücke fuhr gerade ein anderes Auto.

Ich fand kurz darauf noch eine Lücke weiter entfernt, aber diese Situation sollte mich noch beschäftigen. Welches Ziel hatte ich mit meinen Reaktionen verfolgt? Wie kam es, dass eine simple Parklücke zu solch einem Ärger führte?

Es war das Gefühl, gleichzeitig „im Recht“ und vollkommen ohnmächtig zu sein. Hilflosigkeit erzeugt Stress. Und dabei kommt es nicht auf eine „objektive“ Wichtigkeit eines Ereignisses an – die Parklücke ist in meinem Leben nun wirklich nur eine Randerscheinung. Es war der gefühlte Unterschied zwischen meiner Erwartung und dem, was ich glaubte, gestalten zu können. Meine Erwartung war, dass mit meinem „Recht“ auf diese Parklücke die Dame weiterfahren müsse. Und ich ging automatisch davon aus, dass sie dass auch so sehen müsse. Diese Erwartung war wie ein Käfig für mich, aus dem ich nicht herauskam.

Die „Landkarte“ der anderen Fahrerin war dagegen – so vermute ich – ein vollkommen andere. Ihre Erwartung war vielleicht, einfach weiter geradeaus fahren zu können, möglichst ohne Spurwechsel. Darauf hatte sie in Ihrer Sicht genauso ein „Recht“.

Stress entsteht immer dann, wenn die Welt nicht unseren Erwartungen entspricht. Und oft laufen dann festsitzende Programme ab. Achtsamkeit ermöglicht es uns, zu erkennen, welche Programme es sind, die unser Organismus laufen lässt. Erst dann können wir geeignete Mittel und Wege finden, etwas zu verändern – seinen es unsere Erwartungen oder die Haltung dazu, wenn unsere Erwartungen enttäuscht werden.

Die HUNA-Philosophie bietet dafür viele Ideen und Werkzeuge. Ein wichtiges Prinzip lautet „Es gibt keine Grenzen“ – die Grenzen, die uns gefangen halten, schaffen wir meist selbst, so wie meine Erwartung in Bezug auf den Parkplatz. Grenzen, die wir selbst geschaffen haben, können wir jedoch auch selbst wieder auflösen. Mehr dazu erfahren Sie beispielsweise im HUNA-Einführungsseminar am Samstag, den 16. April in unserer Praxis.

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